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Männlichkeit & Identität

Du wartest auf jemanden, der mitzieht. Deshalb wartest du noch immer.

25. August 2026 · 7 min read

Du wartest auf jemanden, der mitzieht. Deshalb wartest du noch immer.

Vor ein paar Jahren wollte ich mit einem Kumpel morgens laufen gehen. Wir haben uns abends geschrieben, ein Datum gesucht, wieder verworfen, weil er Frühschicht hatte. Dann hatte ich einen Termin. Dann war Regen. Dann kam sein Kind mit Fieber nach Hause. Wir haben drei Wochen lang eine Sache verhandelt, die zwanzig Minuten dauert. Am Ende bin ich allein losgezogen, an einem Dienstag, ohne dass jemand Bescheid wusste. Und da habe ich zum ersten Mal verstanden, was in den drei Wochen davor wirklich passiert war. Ich habe nicht auf ihn gewartet. Ich habe ihn benutzt, um nicht anfangen zu müssen.

Der Partner ist keine Motivation, er ist eine Ausrede mit Gesicht

Wenn du auf jemanden wartest, der mit dir startet, klingt das nach Verantwortung. Nach Verbindlichkeit. Du sagst dir, zu zweit zieht man sich hoch, einer hält den anderen. Das stimmt sogar, wenn beide schon laufen. Aber am Anfang stimmt es nicht. Am Anfang ist der zweite Mann kein Motor. Er ist eine Bremse mit gutem Ruf.

Rechne es dir nüchtern durch. Allein loszugehen hängt an einer einzigen Entscheidung, deiner. Zu zweit hängt es an zwei Kalendern, zwei Tagesformen, zwei Familien, zwei inneren Schweinehunden, die sich gegenseitig die Erlaubnis zum Absagen geben. Sobald einer zögert, hat der andere seinen Grund. Ihr wartet nicht aufeinander. Ihr deckt euch gegenseitig. Und das Schöne daran, aus Sicht des Teils in dir, der nicht will: Es fühlt sich nie nach Feigheit an. Es fühlt sich nach Terminproblem an.

Das ist der Trick, den dein Kopf dir spielt. Er verpackt das Nichtanfangen in etwas, das nach Organisation aussieht. Solange du auf den richtigen Partner, den richtigen Montag, den richtigen gemeinsamen Startpunkt wartest, musst du dir nie eingestehen, dass du einfach noch nicht bereit warst, die Verantwortung allein zu tragen. Du hast sie ausgelagert. An einen Mann, der genauso wenig anfängt wie du.

Verantwortung, die du teilst, gehört am Ende niemandem

Ich sehe das bei den Männern, die zu mir kommen, in fast jedem zweiten Gespräch. Der Satz kommt früh und er kommt zuverlässig: Ich fange an, sobald mein Kumpel auch dabei ist. Sobald meine Frau mitzieht. Sobald ein anderer aus dem Team sich verpflichtet. Es klingt vernünftig. Es ist die höflichste Form von Stillstand, die es gibt.

Denn eine Verantwortung, die du dir mit jemandem teilst, den du nicht kontrollierst, ist keine Verantwortung mehr. Sie ist eine Abhängigkeit. Du hast dein Anfangen an das Verhalten eines anderen gekoppelt und damit deine Macht darüber verschenkt. Er sagt ab, du hast frei. Er wird krank, du hast frei. Er zweifelt, du hast Gesellschaft im Zweifel. Du hast dir nicht einen Verbündeten gesucht, du hast dir ein Alibi gesucht, das zurückschreiben kann.

Ein Mann fühlt sich nicht erst stark und handelt dann. Er handelt, und daraus kommt die Stärke. Das lässt sich nicht auslagern. Niemand kann für dich den ersten Schritt gehen und dir hinterher das Gefühl mitbringen. Der Stolz nach dem ersten Training, nach der ersten kalten Dusche, nach dem ersten ehrlichen Gespräch, das du gefürchtet hast, entsteht nur in dem Körper, der es getan hat. Wenn du wartest, bis ein anderer bereit ist, wartest du auf ein Gefühl, das per Definition nur dir gehören kann.

Geh allein los. Die Männer, die zu dir passen, finden dich unterwegs

Ich sage nicht, dass du alles allein machen sollst. Ich sage, du fängst allein an. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Der Partner, der Kreis, die Männer, die dich tragen, das kommt. Aber es kommt danach, nicht davor. Es findet dich, wenn du schon in Bewegung bist, weil Menschen sich an Bewegung anschließen, nicht an Ankündigungen. Niemand steigt bei jemandem ein, der noch am Bahnsteig auf einen Mitfahrer wartet.

Der Mann, der seit Monaten sagt, er sucht noch jemanden zum Durchziehen, sucht in Wahrheit die Erlaubnis, weiter nicht anzufangen. Und die gibst du dir nicht, indem du besser suchst. Du gibst sie dir weg, indem du losgehst und dabei aufhörst, hinter dich zu schauen, ob jemand mitkommt.

Such dir für heute eine Sache, die du seit Wochen an einen anderen gekoppelt hast. Das Training, das erst startet, wenn dein Kumpel Zeit hat. Das Projekt, das auf den Mitgründer wartet. Das Gespräch, das ihr gemeinsam führen wolltet. Streich den anderen aus der Gleichung. Setz einen Termin, nur für dich, in den nächsten achtundvierzig Stunden. Sag niemandem Bescheid, damit dir keiner absagen kann. Und dann geh. Der Rest ordnet sich, sobald du dich bewegst.

Wenn du wissen willst, warum der perfekte Starttermin nie kommt und warum das kein Zufall ist, lies auch [INTERNER LINK].

Denis Dreser

Denis Dreser ist Gründer der Primal Power Academy und Coach für Männer zwischen 30 und 50. Ehemaliger Sport- und Gymnastikrehrer. Themen: Testosteron optimieren, Fett verlieren, Muskeln aufbauen – für Männer mit Job und Familie.

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