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Männlichkeit & Identität

Der Anruf mit meinem besten Freund. Was er fast zu spät gemerkt hat.

3. September 2026 · 7 min read

Der Anruf mit meinem besten Freund. Was er fast zu spät gemerkt hat.

Ich hab selbst drei Jahre lang einen Bluttest vor mir hergeschoben. Nicht aus Angst vor der Nadel. Ich hab mir eingeredet, nächsten Monat ist ein besserer Zeitpunkt. Nächsten Monat, wenn der große Kunde durch ist. Nächsten Monat, wenn ich wieder öfter trainiere und die Werte besser aussehen. Der Monat kam nie. Als ich irgendwann doch beim Arzt saß, waren zwei Werte schlechter, als sie hätten sein müssen, wenn ich drei Jahre früher hingegangen wäre. Nicht der Test war das Problem. Der Aufschub war es.

Ich erzähl das, weil letzten Monat mein bester Freund angerufen hat. Nennen wir ihn Tobi. 23 Uhr, seine Stimme zittrig. Sein Vater ist mit 58 an einem Herzinfarkt gestorben, ohne Vorwarnung, mitten beim Rasenmähen. Tobi ist jetzt 41, hat zwei Söhne, 6 und 9 Jahre alt, und hatte seinen letzten Check-up vor sieben Jahren. Sieben Jahre, in denen er sich x-mal vorgenommen hat, einen Termin zu machen. Diese Woche war's dann so weit, aus Angst, nicht aus Plan. Der Arzt hat einen Blutdruckwert gefunden, der ihn beinahe zwingend zu einem zweiten Termin geschickt hat. Am Ende war es behandelbar. Aber Tobi hat am Telefon einen Satz gesagt, der mir noch nachhängt: „Ich hab so lange gewartet, bis der perfekte Moment kommt, dass ich fast den Moment verpasst hab, in dem es noch nicht zu spät war."

Der Starttermin, den es nie gibt

Das Muster kenn ich aus zig Gesprächen mit Männern in meinem Coaching. Montag fängt man an. Oder nach dem Urlaub. Oder wenn der Job ruhiger wird. Oder wenn die Kinder aus der Kita-Phase raus sind. Der Startpunkt wird immer weiter nach hinten gelegt, als wäre er ein Geschenk, das man sich erst verdienen muss.

Das Problem: einen perfekten Startpunkt gibt es nicht. Es gibt nur den Moment, in dem du anfängst, und den Moment, in dem du weiter wartest. Dazwischen liegt kein dritter Weg. Ich hab Männer gecoacht, die seit über zehn Jahren auf diesen Moment warten. Zehn Jahre. In der Zeit hätten sie dreimal ihren Körper komplett umbauen können. Warum wir uns diesen Mythos vom richtigen Zeitpunkt so gerne selbst erzählen, hab ich in einem anderen Artikel aufgeschlüsselt.

Und der Punkt, an dem es wirklich teuer wird: Aufschub fühlt sich nicht wie eine Entscheidung an. Er fühlt sich wie gar keine Entscheidung an. Aber genau das ist er. Jeder verschobene Montag ist eine aktive Wahl für den Ist-Zustand.

Warum Motivation der falsche Hebel ist

Ich hab jahrelang gedacht, mir fehlt einfach die Motivation, um mit dem Training anzufangen. Stimmt nicht. Motivation ist ein Gefühl, und Gefühle kommen und gehen wie das Wetter. Wenn ich auf das Gefühl gewartet hätte, würde ich heute noch warten.

Der Hebel, der wirklich zieht, ist Commitment. Nicht die Frage „Hab ich heute Lust", sondern „Hab ich das versprochen, und halte ich mich dran, egal wie ich mich fühle". Bei mir war der Wendepunkt ein fester Termin im Kalender, den ich mir selbst nicht mehr canceln durfte, egal wie der Tag lief. Kein Motivationsschub davor. Nur die Entscheidung, die schon getroffen war, bevor das Gefühl mitreden konnte.

Das ist der Unterschied zwischen Tobi vor sieben Jahren und Tobi jetzt. Er wartet nicht mehr darauf, dass er sich bereit fühlt für den Arzttermin oder das Training. Er hat einen festen Slot jeden Dienstag und Donnerstag, 6 Uhr morgens, vor der Arbeit. Kein Gefühl gefragt.

Die Rechnung, die du nicht siehst

Aufschub fühlt sich harmlos an, weil er keine Rechnung schreibt. Aber sie läuft trotzdem. Sieben Jahre zwischen zwei Arztterminen heißt sieben Jahre, in denen ein Blutdruckwert unbemerkt steigen konnte. Drei Jahre, die ich selbst verschoben hab, heißt drei Jahre, in denen meine Werte sich nicht von selbst verbessert haben, nur weil ich nicht hingeschaut hab.

Und dieselbe Rechnung läuft beim Training. Ein Mann, der jede Woche einen Trainingstag ausfallen lässt, weil „diese Woche passt es nicht", verliert nicht eine Woche. Er verliert 52 Trainingstage im Jahr. Über fünf Jahre sind das über 250 Tage, an denen nichts passiert ist, außer dass der Rücken ein bisschen schwächer und der Bauch ein bisschen größer wurde. Kein einzelner Tag fühlt sich wie eine Katastrophe an. Die Summe ist die Katastrophe.

Drei Wochen später

Ich hab Tobi letzte Woche wieder gesprochen. Der zweite Termin war unauffällig, der Wert hat sich mit Bewegung und weniger Salz schon leicht verbessert. Aber der eigentliche Unterschied ist nicht der Blutdruck. Es ist, dass er nicht mehr wartet. Er hat seinen Söhnen erzählt, warum er jetzt dienstags und donnerstags früher aufsteht, ohne Drama, einfach als Tatsache. Der Ältere hat gefragt, ob er mitkommen darf. Das war nicht der Plan. Aber es ist genau der Punkt: die Entscheidung, die du triffst, sehen deine Söhne, ob du willst oder nicht.

Was das mit deiner Familie und deinen Söhnen zu tun hat

Hier wird es für mich persönlich. Die Entscheidung für deine Gesundheit ist am Ende keine Entscheidung nur für dich. Sie ist eine Entscheidung für deine Familie, für deine Söhne, für die Jahre, die du noch mit ihnen hast.

Tobis Vater ist mit 58 gestorben. Tobis ältester Sohn war damals selbst noch klein genug, dass er sich kaum an seinen Opa erinnert. Wenn Tobi jetzt nichts ändert, ist er mit 58 genau da, wo sein Vater war, nur dass seine Söhne dann 23 und 26 sind. Alt genug, um sich an jeden Tag zu erinnern, den es nicht gab.

Ich hab selbst einen Sohn. Und der Gedanke, der mich am meisten bewegt, wenn ich morgens keine Lust auf das Training habe, ist nicht mein Sixpack. Es ist die Frage, ob ich in 20 Jahren noch mit ihm auf dem Boden spielen kann, ohne dass mein Rücken streikt. Das ist keine abstrakte Zukunftssorge. Das ist eine Rechnung, die jeden Tag läuft, den du aufschiebst.

Wenn du das liest und selbst Kinder hast: die Entscheidung, heute den Termin zu machen oder heute mit dem Training anzufangen, ist nicht nur deine. Sie gehört auch ihnen. Wie ich das für mich selbst konkret runtergebrochen hab, steht in meinem 90-Tage-Plan für Väter.

Der kleinste Schritt, der den Kreislauf bricht

Tobi hat nicht sein ganzes Leben umgekrempelt. Er hat drei Dinge gemacht. Den Arzttermin gebucht, an dem Abend, an dem er mich angerufen hat, nicht „irgendwann diese Woche". Zwei feste Trainingstermine im Kalender, die er behandelt wie ein Meeting mit dem wichtigsten Kunden. Und einen Blutdruckmesser für zuhause, 35 Euro, damit er nicht mehr sieben Jahre zwischen zwei Checks liegen lässt.

Kein perfekter Plan. Drei winzige, konkrete Handlungen, an einem einzigen Abend beschlossen. Das ist der ganze Unterschied zwischen einem Mann, der auf den Starttermin wartet, und einem, der ihn sich selbst setzt, statt auf ein besseres Datum zu warten.

Häufige Fragen

Was, wenn ich einfach noch nicht bereit bin? Bereit fühlst du dich nie zuerst. Das Gefühl kommt nach der Handlung, nicht davor. Mach den einen kleinen Schritt, den du heute schon machen könntest, egal wie du dich fühlst. Der Rest folgt.

Reicht nicht auch ein bisschen Motivation am Anfang? Motivation hilft für einen Tag, vielleicht zwei. Für die Wochen danach brauchst du einen festen Termin, an den du dich hältst, unabhängig vom Gefühl. Das ist Commitment, und das trägt länger als jede Motivationswelle.

Wie fange ich an, wenn der ganze Kopf dagegen ist? Nicht mit dem großen Plan. Mit einer Sache, die du diese Woche schon erledigen kannst: der Arzttermin, der erste Trainingstag, der Blutdruckmesser. Eine Handlung reicht, um den Aufschub-Kreislauf zu brechen.

Muss ich das meiner Familie erklären, bevor ich anfange? Nein. Erklären kannst du hinterher, wenn überhaupt. Tobi hat seinen Söhnen nichts angekündigt, er hat einfach angefangen. Die Erklärung kam von allein, als sein Sohn gefragt hat, ob er mitkommen darf.

Der Punkt

Der perfekte Startpunkt kommt nicht. Es gibt nur heute, und die Frage, ob du heute die Entscheidung triffst oder sie wieder um einen Monat verschiebst. Für dich, für deine Familie, für deine Söhne, die zusehen, was du daraus machst.

Ich hab genau ein System, mit dem meine Männer essen was sie wollen und trotzdem abnehmen, ohne Verzicht und ohne Kalorien zu zählen, während sie diesen Hebel umlegen. Schreib mir INFO per Nachricht, und ich schick dir die drei Regeln auf einer Seite.

Denis Dreser

Denis Dreser ist Gründer der Primal Power Academy und Coach für Männer zwischen 30 und 50. Ehemaliger Sport- und Gymnastikrehrer. Themen: Testosteron optimieren, Fett verlieren, Muskeln aufbauen – für Männer mit Job und Familie.

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