Du postest einen Schnurrbart-Emoji. Deinen Testosteronwert kennst du trotzdem nicht.

Drei Jahre lang hab ich im November einen Schnurrbart wachsen lassen. Hab ihn gepostet, Spendenlink in der Bio, Daumen hoch von anderen Männern in den Kommentaren. Movember, Schnurrbart, Testosteron, das volle Programm für die Story. Was ich in den drei Jahren nie gemacht hab: meinen eigenen Testosteronwert checken lassen. Ich hab Männern beigebracht, auf ihre Hormone zu achten, und selbst keine Ahnung gehabt, wo ich stehe.
Das ist der Witz an Movember. Die Aktion macht Männergesundheit für vier Wochen sichtbar. Und dann ist Dezember, der Bart kommt ab, und bei den meisten kommt das Thema gleich mit ab.
In diesem Artikel geht's um drei Dinge. Warum der Bart nichts über deinen Hormonspiegel sagt. Warum ich selbst jahrelang vor dem eigenen Check weggelaufen bin. Und was nach dem 30. November übrig bleiben muss, wenn aus Aufmerksamkeit ein System werden soll.
Movember, Schnurrbart, Testosteron: was die drei wirklich verbindet
Die Movember-Stiftung gibt es seit 2003, gegründet in Australien. Zweck: Prostatakrebs, Hodenkrebs, Depression und Suizid bei Männern sichtbar machen, weil Männer über all das reden, wie über alles andere, das mit Schwäche zu tun haben könnte. Nämlich gar nicht. Weltweit wachsen jedes Jahr Millionen Bärte dafür, und es kommt echtes Geld für echte Forschung zusammen. Gute Sache.
Aber der Bart selbst heilt niemanden. Er ist ein Symbol, kein Befund. Und genau da hakt's bei den meisten Männern, die ich kenne, mich eingeschlossen: Der Bart fühlt sich nach Männlichkeit an. Testosteron ist das Hormon, das wir mit Männlichkeit gleichsetzen. Also fühlt sich der Bart an wie ein Beweis, dass bei einem selbst alles passt. Tut er nicht. Ein Bart wächst auch bei einem Testosteronwert von 250, dem untersten Rand der Skala.
Das ist das Muster bei fast jeder Aufmerksamkeits-Aktion. Sie holt ein Thema für vier Wochen aus der Schublade, Leute posten mit, Spenden kommen rein, und dann schließt sich die Schublade wieder. Das ist kein Vorwurf an Movember, die Stiftung macht ihren Job gut. Der Vorwurf geht an uns Männer, die den einfachen Teil mitmachen und den unbequemen Teil überspringen. Ein Bart kostet nichts außer vier Wochen Rasierpause. Ein Bluttest kostet eine Überwindung. Rate mal, welcher Teil öfter gemacht wird.
Warum der Bart nichts über deinen Wert sagt
Ein normaler Testosteronwert liegt zwischen 300 und 1000 ng/dl. Das ist eine riesige Spanne, und wo du in ihr stehst, siehst du in keinem Spiegel. Bartwuchs, Muskelmasse, Stimme, das sind alles Dinge, die sich über Jahre aufgebaut haben, lange bevor dein Wert heute im Keller ist. Du kannst einen vollen Bart tragen und trotzdem bei 280 liegen. Ich hab Kunden gehabt, die aussahen wie aus dem Katalog, und ihr Blutbild sah aus wie bei einem 70-Jährigen.
Ein Bart ist wie die Chromleiste am Auto. Sieht nach Power aus. Sagt nichts über den Motor. Der Motor läuft entweder, oder er stottert, und das merkst du nur, wenn du unter die Haube schaust. Beim Körper heißt unter die Haube schauen: Blutbild. Nicht Spiegel, nicht Instagram-Filter, nicht die Reaktion der anderen auf deinen Bart.
Und das ist der Punkt, an dem die ganze Movember-Aktion für viele Männer zu Ende ist. Sie posten das Symbol. Sie checken nie den eigentlichen Wert. Das ist, als würdest du eine Spendengala für Brandschutz veranstalten und nie deinen eigenen Rauchmelder testen.
Der Check, vor dem ich selbst drei Jahre weggelaufen bin
Ich war nicht zu beschäftigt. Ich hatte Angst vor der Zahl.
Als Coach erzähl ich Männern ständig, wie wichtig ihr Testosteron ist. Und ein Teil von mir wollte die Zahl nicht sehen, weil ich befürchtet hab, sie könnte schlecht sein, und was sagt das dann über mich. Lächerlich, ich weiß. Aber genau diese Angst ist bei fast jedem Mann da, den ich coache. Lieber nicht wissen, als wissen und damit klarkommen müssen.
Der Check selbst ist das am wenigsten Dramatische an der ganzen Sache. 15 Minuten beim Hausarzt, ein Röhrchen Blut, fertig. Wenn die Kasse es nicht als Vorsorge übernimmt, zahlst du irgendwo zwischen 25 und 40 Euro selbst. Nach zwei Tagen hast du eine Zahl auf dem Papier, keine Vermutung mehr. Das Einzige, was den Check aufhält, ist der Kopf davor. Genau der Kopf, der auch den Bart im November wachsen lässt, weil ein Bart leichter ist als ein Arzttermin.
Ich hab den Check irgendwann nach dem dritten Movember-Bart doch gemacht. Mein Wert war im unteren Drittel, nicht katastrophal, aber nicht da, wo ich ihn für einen Mann mit meinem Training und meiner Ernährung erwartet hätte. Schlaf war der Hebel, den ich übersehen hatte, siebeneinhalb Stunden fühlten sich nach genug an, waren aber nicht konstant genug, zwei, drei Nächte pro Woche kippten auf fünf. Ohne die Zahl hätte ich das nie gesehen. Ich hätte weiter geraten.
Vier Monate, nachdem ich Schlaf zur festen Baustelle gemacht hab, hab ich nachtesten lassen. Der Wert war um gut 15 Prozent gestiegen, ohne ein einziges Supplement, nur über konstante sieben bis acht Stunden. Das ist der Teil, den kein Movember-Post zeigt: nicht der Bart, nicht das Foto danach, sondern die vier Monate dazwischen, in denen nichts Instagram-taugliches passiert. Genau deswegen posten die wenigsten diesen Teil. Er sieht nach nichts aus. Er wirkt trotzdem am meisten.
Was nach dem Hashtag passieren muss
Movember endet am 30. November. Dein Hormonsystem kennt dieses Datum nicht. Es arbeitet am 1. Dezember exakt so weiter wie am 29. November, nur ohne die Aufmerksamkeit, die der Monat ihm verschafft hat.
Deswegen ist die eine Handlung, die aus dem Hashtag einen Nutzen macht, simpel: Termin machen, bevor der Bart wieder runterkommt. Nicht danach, nicht nächstes Jahr, nicht wenn du wieder dran denkst. Jetzt, solange das Thema noch in deinem Kopf ist. Woran du erkennst, dass dein Testosteron schon absackt, steht in zehn konkreten Symptomen, falls du vorher wissen willst, ob sich der Termin überhaupt lohnt. Und wenn die Zahl da ist, brauchst du einen Plan, keine Panik: was du mit deinem Testosteronwert tatsächlich anfängst, zeigt die Schritte danach.
Und dann ist da noch die Frage, ob die ganze Aktion überhaupt das Richtige anstößt oder nur ein gutes Gefühl für einen Monat liefert. Dazu hab ich mir den Mythos hinter der Movember-Aktion selbst genauer angeschaut. Kurz gesagt: Aufmerksamkeit ist der erste Schritt, nicht der letzte. Wer beim Bart aufhört, hat die Hälfte gemacht.
Häufige Fragen
Reicht der Test beim Hausarzt, oder brauche ich ein Spezial-Labor? Der Hausarzt reicht völlig. Er zieht das Blut, schickt es ein, und du bekommst den Gesamtwert plus meistens auch das freie Testosteron zurück. Ein Spezial-Labor brauchst du erst, wenn der Wert niedrig ist und du tiefer reinschauen willst, zum Beispiel beim SHBG.
Was kostet so ein Check wirklich? Als reine Vorsorge ohne konkreten Verdacht zahlst du häufig selbst, zwischen 25 und 40 Euro. Hast du echte Symptome wie Erschöpfung oder Libidoverlust, übernimmt die Kasse die Kosten meistens, weil es dann als Diagnostik gilt. Einfach beim Arzt nachfragen.
Ab welchem Alter sollte ich das checken lassen? Testosteron sinkt bei Männern ab Mitte 30 jährlich um etwa 1 bis 2 Prozent, bei manchen schneller. Spätestens mit 35 lohnt sich ein erster Wert als Ausgangspunkt. Dann weißt du, wo du stehst, bevor die Symptome anfangen, statt hinterher zu raten, seit wann.
Der Punkt
Der Bart im November ist in Ordnung. Er tut niemandem weh, und das Geld, das dabei für echte Forschung zusammenkommt, ist echt. Aber der Bart ist nicht dein Gesundheits-Check, er ist die Einladung dazu. Die Einladung nimmst du an, indem du den Termin machst, nicht indem du das Foto postest.
Ich hab genau ein System, mit dem meine Männer essen was sie wollen und trotzdem abnehmen, dazu Kraft und Energie aufbauen, ohne Verzicht und ohne stundenlanges Grübeln über ihre Werte. Schreib mir INFO per Nachricht, und ich schick dir die drei Regeln auf einer Seite.
Denis Dreser
Denis Dreser ist Gründer der Primal Power Academy und Coach für Männer zwischen 30 und 50. Ehemaliger Sport- und Gymnastikrehrer. Themen: Testosteron optimieren, Fett verlieren, Muskeln aufbauen – für Männer mit Job und Familie.