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Männlichkeit & Identität

Wenn ich erst abnehme, dann werde ich auch... So lügen Väter sich selbst an

31. August 2026 · 7 min read

Wenn ich erst abnehme, dann werde ich auch... So lügen Väter sich selbst an

Ich hab selbst so einen Deal mit mir gemacht. Vor Jahren, als das Studio noch klein war: Wenn ich erst mal genug Kunden hab, dann kümmere ich mich um mein eigenes Training richtig. Die Kunden kamen nach einem Jahr. Ich hab trotzdem nicht angefangen, weil sofort die nächste Bedingung stand. Erst die Website, dann der nächste Kurs, dann die Expansion. Der perfekte Moment kam nie, weil ich ihn nie gesucht hab, um zu starten. Ich hab ihn gesucht, um nicht starten zu müssen.

Genau dieses Spiel sehe ich bei fast jedem Vater, der bei mir anfängt. Wenn ich erst abnehme, dann tob ich auch wieder mit meinem Sohn auf dem Spielplatz. Wenn ich erst in Form bin, dann zieh ich beim Fußballtraining wieder das Trikot mit den anderen Vätern an. Das Aufschieben beim Abnehmen ist bei Vätern selten Faulheit. Es ist ein Deal, den sie mit sich selbst schließen, und den sie nie einlösen müssen, weil der Starttermin nie kommt.

Der Deal, den du mit dir selbst machst

Die Formel ist immer gleich gebaut: Wenn A, dann B. Wenn ich erst 10 Kilo runter bin, dann geh ich mit an den Baggersee. Wenn ich erst wieder fit bin, dann trag ich mein Kind eine Runde auf den Schultern, ohne nach fünf Minuten außer Atem zu sein. Das klingt nach einem Plan. Es ist keiner. Es ist eine Bedingung, die du dir selbst stellst, damit du heute nichts tun musst.

Und das Fiese daran: Die Bedingung verschiebt sich immer weiter, sobald du in ihre Nähe kommst. Sommerurlaub ist zu knapp, also erst nach dem Urlaub. Nach dem Urlaub kommt die Erkältungssaison, also erst nach Weihnachten. Nach Weihnachten ist Januar, und im Januar fangen alle an, also wartest du, bis der Trubel vorbei ist. Am Ende steht kein Datum mehr, sondern ein Gefühl, das nie eintritt. Genau das habe ich in einem anderen Artikel über den gesuchten richtigen Zeitpunkt schon einmal auseinandergenommen. Bei Vätern kommt noch eine Schicht dazu.

Warum Väter das Abnehmen aufschieben

Bei Vätern hat das Aufschieben eine eingebaute Rechtfertigung, die andere Männer nicht haben. Zeit für dich selbst fühlt sich an wie Zeit, die du der Familie wegnimmst. Also verkleidest du den Aufschub als Opferbereitschaft. Ich hab jetzt keine Zeit fürs Training, ich bin ja für meine Kinder da. Das klingt edel. Es ist trotzdem eine Ausrede, weil 20 Minuten Training dreimal die Woche keinem Kind etwas wegnehmen.

Dazu kommt der Schlafmangel in den ersten Jahren, das schlechte Gewissen bei jeder Stunde ohne Familie, und ein Körper, der sich mit jedem Monat mehr verändert, ohne dass du merkst, wann genau. Ich hab das bei einem anderen Thema schon aufgeschrieben, dem Bauch, der nach der Geburt bleibt und nie wieder verschwindet, weil nie ein Moment dafür da zu sein scheint. Wer sich in diesem Muster wiedererkennt, findet mehr dazu in meinem Artikel über den Papa-Bauch nach der Geburt. Das Muster ist immer dasselbe: die Familie wird zum Grund, warum du wartest, dabei könnte sie der Grund sein, warum du sofort anfängst.

Was dein Kind wirklich sieht

Dein Kind zählt keine Kilos. Es merkt drei Dinge: ob du mitmachst, ob du außer Atem bist, und ob du gute Laune hast, wenn du mitmachst. Ein Vater, der bei 95 statt bei 85 Kilo liegt, aber jede Woche dreimal trainiert und beim Fangenspielen mithält, ist für ein Kind der bessere Vater als einer, der zehn Kilo weniger wiegt, aber lieber auf der Bank sitzt, weil er sich schämt oder keine Puste hat.

Das heißt nicht, dass das Gewicht egal ist. Es heißt, dass du auf das falsche Ziel wartest. Du wartest auf einen Zustand, der dich präsentabel macht, statt heute präsent zu sein. Und Präsenz brauchst du nicht erst nach 15 Kilo. Die kannst du in zwei Wochen zurückholen, wenn du anfängst, statt zu warten. Wie kleine Schritte reichen, um den Kreislauf aus Aufschieben zu brechen, hab ich in meinem Artikel zum Minimum-System gegen den Aufschiebe-Kreislauf genau beschrieben.

Commitment statt Motivation: der Hebel, der wirklich zieht

Motivation ist das, worauf die meisten Väter warten. Sie warten auf den Tag, an dem sie sich bereit fühlen. Der kommt nicht, weil Motivation eine Folge von Handeln ist, nicht die Voraussetzung dafür. Du fühlst dich nicht motiviert und fängst dann an. Du fängst an, und danach kommt das Gefühl.

Der eigentliche Hebel ist Commitment. Nicht die Entscheidung, ab Montag komplett neu zu leben. Sondern eine Verbindlichkeit, die so klein ist, dass sie nicht scheitern kann. Drei feste Trainingstermine in deinem Kalender, die genauso unverrückbar sind wie der Kita-Abholtermin. 30 Gramm Eiweiß zum Frühstück, jeden Tag, ohne Ausnahme. Kein großer Plan, ein Termin, den du hältst, auch wenn du keine Lust hast. Genau darum, um Verbindlichkeit statt Warten, geht es auch in meinem Artikel über Commitment ohne Partner an der Seite. Wenn du eine Woche lang eine kleine Verbindlichkeit hältst, hast du mehr erreicht als drei Monate Warten auf den perfekten Start.

Häufige Fragen

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um als Vater mit dem Abnehmen anzufangen? Es gibt keinen. Es gibt nur den nächsten Montag oder heute. Jeder Zeitpunkt in der Zukunft hat dieselben Ausreden wie heute, nur mit mehr Zeitdruck durch das Kind, das inzwischen älter geworden ist.

Ist es nicht egoistisch, sich als Vater Zeit fürs Training zu nehmen? Nein. 20 bis 30 Minuten dreimal die Woche sind kein Loch in der Familienzeit. Ein Vater, der Energie und Puste hat, gibt seiner Familie mehr zurück als er ihr durch diese Zeit wegnimmt.

Was, wenn ich schon zehnmal gescheitert bin? Dann war zehnmal der Plan zu groß, nicht du zu schwach. Fang kleiner an als beim letzten Versuch. Ein Termin pro Woche, den du wirklich hältst, schlägt fünf Termine, die nach zwei Wochen kippen.

Der Punkt

Du wartest nicht auf Zeit. Du wartest auf ein Gefühl, das erst kommt, nachdem du gehandelt hast. Der Deal mit dir selbst, wenn ich erst abnehme, dann werde ich auch wieder der Vater, der mithält, löst sich nicht durchs Warten auf. Er löst sich, wenn du den ersten kleinen Termin hältst.

Ich hab genau ein System, mit dem Väter isst was sie wollen und trotzdem abnehmen, ohne Verzicht und ohne stundenlanges Training neben dem Familienalltag. Schreib mir INFO per Nachricht, und ich schick dir die drei Regeln auf einer Seite.

Denis Dreser

Denis Dreser ist Gründer der Primal Power Academy und Coach für Männer zwischen 30 und 50. Ehemaliger Sport- und Gymnastikrehrer. Themen: Testosteron optimieren, Fett verlieren, Muskeln aufbauen – für Männer mit Job und Familie.

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