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Männlichkeit & Identität

Wochenrückblick: Was diese Woche über Scham und Fotos bei Männern gezeigt hat

23. August 2026 · 8 min read

Wochenrückblick: Was diese Woche über Scham und Fotos bei Männern gezeigt hat

Samstag, Grillfest bei meinem Bruder, Kamera raus für ein Gruppenfoto. Ich bin automatisch einen Schritt zurückgetreten, hinter die Schulter von meinem Neffen. Alter Reflex aus den vier Jahren, in denen ich mich auf keinem Bild mehr gezeigt hab. Hat mich selbst überrascht, wie schnell der Automatismus wieder da war, obwohl ich seit zwei Jahren aus der Nummer raus bin. Ich bin wieder vorgetreten. Aber der erste Impuls war der alte.

Dieser Wochenrückblick sammelt fünf Momente aus dieser Woche, in denen genau dieser Reflex bei Männern in meinem Coaching aufgetaucht ist. Bei jedem ging es um ein Foto oder einen Spiegel. Und bei jedem lag der eigentliche Hebel nicht in der Kamera, sondern in dem, was Scham mit einem Mann macht, wenn sie lange genug unbeobachtet wächst.

Montag: Der Boden-Moment kommt selten übers Foto selbst

Ein neuer Teilnehmer, erstes Telefonat. Ich frag, was ihn dazu gebracht hat, sich jetzt zu melden, nicht vor einem Jahr. Er erzählt von einem Samstag im Laden, drei Wochen her. Die Hose in seiner alten Größe ging nicht mehr zu, die nächste Größe auch nicht, erst die dritte. Kein Foto war im Spiel. Nur eine Hose auf einem Bügel.

Das ist das Muster, das ich fast jede Woche höre. Der Punkt, an dem es kippt, ist selten ein Bild von sich selbst. Es ist ein Umweg: eine Hose, eine Waage beim Arzt, ein Gürtelloch, das nicht mehr passt. Das Foto kommt danach, oder gar nicht mehr, weil man den Beweis schon woanders hatte und keinen zweiten brauchte. Ich hab das selbst genauso erlebt, nur bei mir war es eine schwarze Hose. Ich hab darüber ausführlicher geschrieben, was so ein Boden-Moment mit einem Mann macht. Bei diesem Teilnehmer war die Hose der Moment. Das Telefonat drei Wochen später war die Handlung danach.

Dienstag: Die Spiegel-Vermeidung im Studio

Ein anderer Teilnehmer, seit vier Monaten dabei, erzählt beim Check-in, dass er beim Bankdrücken immer den Spiegel im Rücken hat. Bewusst so gestellt. Nicht weil die Bank dort steht, sondern weil er sich die Übung ausgesucht hat, bei der er sich am Studio-Spiegel am wenigsten sehen muss.

Ich hab ihn gefragt, seit wann das so ist. Seit er vor zwei Jahren zugenommen hat, ungefähr 14 Kilo in eineinhalb Jahren, nach einem Jobwechsel mit mehr Schreibtisch und weniger Bewegung. Er hat sich das selbst nie als Vermeidung erklärt. Er dachte, er hat halt keine Lust, sich beim Training zuzugucken, das machen viele nicht. Der Unterschied ist die Konsequenz: nicht gelegentlich wegschauen, sondern jede einzelne Übung danach auswählen, ob sie einen Spiegelblick erzwingt. Das ist keine Vorliebe mehr, das ist ein System, das um die Scham herumgebaut ist. Genau diesen Mechanismus, wie aus einem einzelnen Wegschauen eine feste Regel wird, hab ich an anderer Stelle im Detail durchgespielt.

Mittwoch: "Ist das nur Kopfsache?"

Mittwoch, ein Teilnehmer fragt mich direkt: Ist die ganze Foto-Scham nicht einfach Kopfsache, ein Willensproblem, das ich wegdenken müsste. Ich hab ihm gesagt, was ich mir selbst jahrelang nicht geglaubt hab: nein, es ist auch Mechanismus, nicht nur Kopf.

Testosteron entscheidet mit, wo dein Körper Fett hinpackt und wie schwer er es wieder loslässt. Über ein Enzym namens Aromatase wird Testosteron am Bauchfett in Östrogen umgewandelt, und je mehr Bauchfett, desto mehr Umwandlung, desto weniger von dem Hormon, das beim Fettabbau hilft. Dazu kommt Schlaf: unter sechs Stunden pro Nacht senkt die körpereigene Testosteron-Produktion messbar, bei fast jedem Mann, den ich betreue, keine Ausnahme. Das ist kein Willensdefekt. Das ist ein Kreislauf, der sich selbst füttert, ohne dass an einem einzigen Tag bewusst etwas falsch gemacht wurde.

Der Punkt, den ich ihm klarmachen wollte: Testosteron und Form sind das Tor, nicht der Motor. Sie sind die Stelle, an der du merkst, dass etwas nicht stimmt, nicht der Hebel, den du mit reiner Willenskraft umlegst. Der Hebel liegt woanders, bei Schlaf, bei Bauchfett, bei Stress. Wer wissen will, wo er wirklich steht, braucht keinen Vorsatz, sondern einen Bluttest.

Donnerstag: Die kleinste Handlung zurück ins Bild

Donnerstagabend schreibt mir ein Teilnehmer eine Nachricht, kein Text, nur ein Foto. Er im Bad, Handy vorm Spiegel, kein Filter, keine Bildunterschrift. Dazu ein Satz: "Erstes Foto von mir seit drei Jahren." Niemand außer mir hat das Bild je gesehen.

Das ist die kleinste Handlung, die ich kenne, und sie funktioniert genau deswegen. Kein Posten, kein Zeigen, nur der Beweis, dass er es aushält, sich zu sehen. Eine Aufgabe, die zu klein ist, um Widerstand auszulösen, aber groß genug, um den alten Automatismus zu durchbrechen. Wie kleine Schritte gegen den großen Vorsatz gewinnen, weil sie unter dem Radar der eigenen Ausreden bleiben, hab ich an einem anderen Beispiel aufgeschrieben. Bei diesem Teilnehmer war es kein Trainingsplan, der ihn drei Jahre Foto-Pause beendet hat. Es war ein Handy im Bad, um 22 Uhr, ohne Publikum.

Freitag: Bruderschaft statt Community

Freitag ist unser fester Gruppen-Check-in, acht Männer, eine Stunde. Einer der acht hat diese Woche das Bild vom Donnerstag gezeigt, dasselbe, das nur ich gesehen hatte, jetzt vor der ganzen Gruppe. Keiner hat die Augenbraue hochgezogen. Zwei andere haben direkt erzählt, dass sie das Gleiche seit Monaten vor sich herschieben.

Das ist der Unterschied zwischen einer Community und einer Bruderschaft. In einer Community zeigst du dein bestes Bild, das mit den meisten Likes. In einer Bruderschaft zeigst du das Foto, das du drei Jahre lang nicht gemacht hast, und die Reaktion ist nicht Applaus, sondern ein Nicken. Scham hält sich am besten in der Stille am Leben. Sie braucht kein großes Publikum, sie braucht nur, dass niemand mitliest. Genau da bricht die Gruppe den Kreislauf, nicht mit Motivation, sondern damit, dass einer zeigt, was er zeigt, und nichts Schlimmes passiert.

Was dieser Wochenrückblick über Scham und Fotos zeigt

Fünf Tage, fünf verschiedene Männer, ein Muster. Bei keinem ging es am Ende um das Foto selbst. Es ging um das, was um das Foto herum gebaut wurde: eine Hose, die nicht mehr passt, eine Übungsauswahl, die den Spiegel meidet, ein Bluttest, den keiner gemacht hat, eine Nachricht, die keiner sich getraut hat zu schreiben, eine Gruppe, die es leichter macht als allein.

Scham vor Fotos ist bei den wenigsten Männern Eitelkeit. Es ist ein Warnsignal, das ignoriert wird, bis der Umweg über die Hose oder den Gürtel kommt. Und der Weg zurück ist nie das große Ergebnis zuerst. Es ist die kleinste Handlung, ein Foto, das keiner sieht, ein Gespräch in einer Runde, die es aushält.

Häufige Fragen

Ist Foto-Scham bei Männern überhaupt normal, oder bin ich ein Sonderfall? Fast jeder zweite Mann, den ich im Erstgespräch habe, meidet Fotos in irgendeiner Form, von komplett verweigern bis nur bei bestimmten Anlässen abtauchen. Das ist kein Sonderfall, das ist die Regel, nur redet keiner drüber.

Wie fange ich an, wenn schon jahrelang kein aktuelles Foto von mir existiert? Nicht mit dem Familienfoto. Mit einem Bild, das niemand sieht außer dir, im Bad, ohne Filter. Erst wenn das ein paar Mal ausgehalten wurde, kommt das nächste, größere Foto dran.

Ändert sich Testosteron wirklich, wenn ich anfange, mich wieder zu zeigen, oder läuft das nur andersrum? Der direkte Effekt läuft andersrum: weniger Bauchfett und besserer Schlaf heben Testosteron, nicht das Foto selbst. Aber wer aufhört, sich zu verstecken, fängt meistens auch an, den Rest anzupacken, Schlaf, Ernährung, Training. Das Foto ist der Anfang der Kette, nicht das Ende.

Der Punkt

Diese Woche hat mir wieder gezeigt, wie schnell der alte Reflex zurückkommt, auch nach zwei Jahren, und wie klein der Schritt sein darf, der einen Mann da rausholt. Nicht das große Comeback-Foto. Ein Handy im Bad, ohne Publikum, und danach die nächste kleine Handlung.

Ich hab genau ein System, mit dem meine Männer essen was sie wollen und trotzdem abnehmen, ihr Testosteron und ihre Form wieder in Ordnung bringen und irgendwann wieder ohne nachzudenken auf jedem Foto stehen, ohne Verzicht. Schreib mir INFO per Nachricht, und ich schick dir die 3 Regeln auf einer Seite.

Denis Dreser

Denis Dreser ist Gründer der Primal Power Academy und Coach für Männer zwischen 30 und 50. Ehemaliger Sport- und Gymnastikrehrer. Themen: Testosteron optimieren, Fett verlieren, Muskeln aufbauen – für Männer mit Job und Familie.

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