Zwei Widerworte. Was diese Woche über Standfestigkeit gezeigt hat.

Mein Sohn hat mich am Mittwoch gefragt, warum ich beim Elternabend nichts gesagt hab. Ich hatte ihm zwei Tage vorher am Küchentisch genau erklärt, warum die neue Hausaufgaben-Regel Unsinn ist, mit allen Argumenten fertig im Kopf. Im Klassenzimmer saß ich dann still, die Lehrerin hat geredet, ich hab genickt. Zuhause die Standpauke von einem Zehnjährigen: "Du hast doch gesagt, das ist falsch." Er hatte recht. Ich bin in dieser Woche mein erstes Widerwort schuldig geblieben, und mein Sohn war der Erste, der es gemerkt hat.
Diese Woche, KW38, hab ich genau danach geschaut, weil ich am eigenen Leib gemerkt hab, wie sich Einknicken anfühlt. Zwei Widerworte sind mir aufgefallen, eines bei einem Teilnehmer, eines bei mir selbst. Beide zeigen dasselbe Muster: Standfestigkeit hat mit Mut wenig zu tun. Sie hat mit dem Testosteron-Tank zu tun, der entweder voll ist oder nicht. Und das ist keine Ausrede. Das ist der Rückblick auf eine Woche, die genau das noch mal bewiesen hat.
Montag: der Plan, der am Elternabend nicht gehalten hat
Elternabend war Dienstag, aber der eigentliche Fehler ist schon Montag passiert, als ich mir vorgenommen hab, ruhig und klar zu bleiben, egal was die Lehrerin sagt. Montags klingt jeder Plan gut. Dienstagabend im Raum, mit fünfzehn anderen Eltern, hab ich gemerkt, wie mein Kiefer eng wurde, sobald ich den Mund aufmachen wollte. Kein Wort kam raus. Ich hab genickt und mich hingesetzt.
Ich war die Woche davor auf Achse, drei Termine hintereinander, kaum geschlafen, kein Training seit zehn Tagen. Das hab ich in dem Moment nicht verbunden. Erst als mein Sohn nachgefragt hat, ist mir aufgefallen: das war nicht der Elternabend. Das war ein Tank, der schon vor dem Elternabend leer war.
Mittwoch: der Teilnehmer, der genau das Gegenteil gemacht hat
Mittwoch hat mir ein Teilnehmer sein Widerwort dieser Woche erzählt, Mitte 40, Teamleiter. Ein Kollege hat in der Runde seinen Vorschlag runtergemacht, unsachlich, vor sechs Leuten. Vor drei Monaten, sagt er, hätte er genickt und den Rest des Tages geärgert. Diesmal hat er ruhig gesagt: "Ich seh das anders, und ich sag dir auch warum", und die Begründung nachgeliefert. Kein erhobener Ton, kein Streit. Der Kollege ist zurückgerudert.
Das ist der Typ Mann, den ich in meinem Coaching am häufigsten sehe: kein Mann, dem Respekt fehlt, sondern einer, dem im Job die Präsenz fehlt, weil der Körper unter Dauerbelastung steht. Vor drei Monaten hat er mir noch beschrieben, wie er nach solchen Meetings mit hochrotem Kopf im Auto saß und sich selbst beschimpft hat, ohne dass draußen irgendwer davon was mitbekommen hätte. Bei diesem Teilnehmer war der Unterschied zu vor drei Monaten nicht auf einmal Mut. Es waren zwölf Wochen Krafttraining, sieben Stunden Schlaf im Schnitt, und ein Job, in dem er sich endlich wieder Pausen erlaubt. Sein Wert lag beim ersten Bluttest bei 340 ng/dl, deutlich unter der Marke, ab der der Körper Konfrontation eher meidet als hält. Wie sich das im Job konkret zeigt, hab ich in Warum Männer im Job an Autorität verlieren ausführlicher aufgeschrieben.
Symptom und Charakter sind zwei verschiedene Dinge
Genau hier trenne ich, weil sonst jeder Mann die falsche Diagnose stellt. Ich beim Elternabend, still geblieben, hab mir erzählt: ich bin wohl konfliktscheu. Der Teilnehmer, vor drei Monaten in seiner alten Version, hat sich erzählt: ich bin wohl kein Anführer. Beides war falsch.
Das Symptom ist: nachgeben, wo du eigentlich widersprechen willst. Der Charakter ist: was du für richtig hältst, wenn dich keiner drückt. Bei mir am Dienstag war der Charakter unverändert, ich wusste genau, was richtig war. Nur der Körper hat in dem Moment nicht mitgezogen, weil er nichts mehr in der Reserve hatte.
Testosteron steuert genau diese Reaktion, bevor der Kopf überhaupt einen Satz formuliert hat. Ab einem Wert unter 380 ng/dl zieht sich der Körper bei Konfrontation eher zurück, das ist keine Behauptung, das ist der Mechanismus, den ich an mir selbst mit einem Laborzettel schwarz auf weiß hatte. Ausführlicher aufgeschrieben in 380 ng/dl und zwei Widerworte, der Artikel, der mir beim Verstehen meiner eigenen Woche geholfen hat.
Warum der Tank vor der Technik kommt
Ich hab in den letzten Jahren mit über hundert Männern gearbeitet, die glauben, ihnen fehlt eine Rhetorik-Technik fürs Meeting. Bei den wenigsten war das der eigentliche Hebel. Sie hatten die Worte im Kopf, fix und fertig. Was fehlte, war die Ruhe, sie auch auszusprechen.
Drei Dinge füllen den Tank, und alle drei sind unspektakulär: Krafttraining zwei- bis dreimal die Woche, nah ans Versagen, nicht Cardio. Sieben Stunden Schlaf, mit fester Zeit ins Bett zu gehen, weil ein Großteil der Testosteron-Produktion im Tiefschlaf läuft, nicht tagsüber. Und Erholung von chronischem Stress, weil Cortisol und Testosteron im Körper um dieselben Rohstoffe konkurrieren, das eine geht selten hoch, ohne dass das andere runtergeht. Kein Nahrungsergänzungsmittel schlägt diese drei Hebel, und keiner davon braucht mehr als eine Stunde am Tag. Das System dahinter, mit den Zahlen, steht in Standfestigkeit im Job: das einfache System.
Bei mir war die Rechnung diese Woche einfach: drei Termine plus zehn Tage ohne Training plus fünf statt sieben Stunden Schlaf ergeben einen Elternabend, an dem ich nichts sage. Nicht weil ich meine Meinung verloren hab. Weil der Tank leer war, bevor ich den Raum betreten hab.
Freitag im Gruppen-Check-in hab ich genau diese Rechnung acht Männern vorgerechnet, mit meinem eigenen Elternabend als Beispiel, nicht mit einem fremden Fall. Drei von ihnen haben sofort genickt, weil sie dieselbe Woche hatten, nur mit einem anderen Ort statt dem Klassenzimmer. Ein Vater sagte, bei ihm war es der Elternsprechtag, bei dem anderen der Kollege am Kaffeeautomaten. Der Ort wechselt, der Mechanismus bleibt derselbe.
Standfestigkeit und Testosteron: der Rückblick dieser Woche
Zwei Widerworte, ein Muster. Bei mir fehlte der Tank, und ich hab genickt, wo ich hätte reden sollen. Beim Teilnehmer war der Tank zwölf Wochen lang gefüllt worden, und er hat gehalten, wo er vor drei Monaten nachgegeben hätte. Derselbe Mechanismus, zwei Richtungen. Das ist der Rückblick, den diese Woche mir gegeben hat: Standfestigkeit ist kein Talent, das manche Männer haben und andere nicht. Es ist ein Tank, der entweder gerade voll ist oder nicht.
Und der Unterschied zwischen uns beiden in dieser Geschichte war nicht der Wille. Beide wollten in dem Moment das Richtige sagen. Nur einer hatte in den Wochen davor die Grundlage dafür gelegt, und der andere, ich, hatte drei Termine und kein Training draufgepackt und sich am Dienstagabend gewundert, warum die Stimme wegblieb.
Häufige Fragen
Warum knicke ich manchmal ein, obwohl ich genau weiß, dass ich recht habe? Weil dein Körper in dem Moment eine eigene Entscheidung trifft, unabhängig von deinem Kopf. Bei niedrigem Testosteron reagiert das Nervensystem auf Konfrontation mit Rückzug, egal wie klar deine Argumente sind. Das ist kein Wissensproblem, sondern ein Ressourcenproblem.
Kann sich das wirklich in wenigen Wochen ändern, so wie beim Teilnehmer aus diesem Artikel? Ja, wenn Schlaf, Training und Stresserholung gleichzeitig laufen. Bei den meisten Männern zeigt sich der Unterschied im Alltag schon nach vier bis sechs Wochen, messbar an einer Situation wie einem Meeting, nicht erst an einem Bluttest Monate später.
Ist Standfestigkeit dann komplett unabhängig vom Charakter? Nein, aber der Charakter entscheidet, was du für richtig hältst. Der Tank entscheidet, ob du es in dem Moment auch sagst. Beide gehören zusammen, aber ohne den Tank bleibt der beste Charakter stumm.
Der Punkt
Diese Woche hat mir noch mal gezeigt, wie leicht sich ein leerer Tank als fehlender Mut tarnt, bei einem Teilnehmer und bei mir am Elternabend. Kein Widerwort fehlt, weil dir der Mut fehlt. Es fehlt, weil der Tank gerade leer ist, und der lässt sich auffüllen.
Ich hab genau ein System, mit dem meine Männer ihren Tank wieder auffüllen und im Job und zuhause wieder standfest werden, ohne Verzicht und ohne stundenlanges Extra-Training. Schreib mir INFO per Nachricht, und ich schick dir die drei Regeln auf einer Seite.
Denis Dreser
Denis Dreser ist Gründer der Primal Power Academy und Coach für Männer zwischen 30 und 50. Ehemaliger Sport- und Gymnastikrehrer. Themen: Testosteron optimieren, Fett verlieren, Muskeln aufbauen – für Männer mit Job und Familie.