Wochenrückblick KW36: Diese Woche war kein Fitness-Thema. Sie war eine Entscheidung.

Ich wollte mit meinem Sohn seit dem Frühling samstags laufen gehen. Ich hab mir gesagt, sobald es wärmer wird, fangen wir an. Dann wurde es wärmer, und ich hab gesagt, sobald die Schule nach den Ferien wieder normal läuft. Die Schule läuft wieder normal, und jetzt ist Ende August, und wir waren genau kein einziges Mal zusammen laufen. Ich hab keine Entscheidung getroffen. Ich hab nur ständig einen besseren Moment gesucht, um sie zu treffen.
Dieser Wochenrückblick aus KW36 sammelt fünf Momente aus dieser Woche, in denen mir bei Männern in meinem Coaching genau dasselbe Muster begegnet ist. Bei jedem ging es um einen Starttermin, der nie kommt. Und bei einem ging es direkt um das, was mir selbst mit meinem Sohn passiert ist: eine Entscheidung, die eigentlich längst hätte fallen sollen, aber immer wieder auf einen besseren Moment vertagt wurde. Der Hebel war bei keinem dieser Männer Motivation. Er war Commitment, gesetzt vor dem Moment, nicht mittendrin.
Montag: Die Laufschuhe, die noch fehlen
Ein Teilnehmer schreibt mir Montagmorgen, er will diese Woche mit Laufen anfangen, sobald die neuen Schuhe da sind, die er letzte Woche bestellt hat. Ich frag nach, was an den alten Schuhen im Schrank kaputt ist. Nichts. Sie sind nur zwei Jahre alt und nicht die Marke, die gerade in seinem Feed beworben wird.
Die neuen Schuhe waren kein Hindernis. Sie waren ein Grund mit gutem Gewissen, noch eine Woche zu warten. Ich hab ihn gebeten, an dem Montag noch in den alten Schuhen zu laufen, 15 Minuten, nichts weiter. Er ist gelaufen. Die neuen Schuhe kamen zwei Tage später an und haben an der Entscheidung nichts mehr geändert, weil die längst gefallen war.
Dienstag: "Erst wenn der Job ruhiger wird"
Dienstagabend, ein anderer Teilnehmer, gleiche Melodie wie bei mir selbst mit dem Laufen: Er will erst mit dem Training anfangen, wenn ein großes Projekt im Job durch ist, in sechs Wochen. Ich hab ihn gefragt, wie viele Projekte in den letzten zwei Jahren als "erst danach wird's ruhiger" durchgegangen sind. Er musste zählen. Vier.
Der Job wird nicht ruhiger. Er wechselt nur das Projekt, das gerade als Ausrede dient. Ich hab ihm dazu geschrieben, warum dieser eine Mythos mehr Männer aufhält als jede Diät: der Mythos vom richtigen Zeitpunkt. Wir haben zwei feste 20-Minuten-Termine noch in dieser Woche eingetragen, mitten im Projekt, nicht danach.
Mittwoch: Warum Motivation der falsche Hebel bleibt
Mittwoch hat mich ein Teilnehmer direkt gefragt, ob ihm einfach die Motivation fehlt. Ich hab ihm gesagt, was ich mir selbst jahrelang nicht eingestehen wollte: Motivation ist ein Gefühl, und Gefühle kommen und gehen wie das Wetter. Wer auf das Gefühl wartet, bevor er anfängt, wartet auf etwas, das er nicht steuern kann.
Der Hebel, der wirklich zieht, ist Commitment. Nicht "hab ich heute Lust", sondern "hab ich das schon entschieden, bevor der Tag mitreden konnte". Bei mir mit dem Laufen war genau das der Fehler: Ich hatte nie einen festen Termin gesetzt, nur eine vage Absicht. Eine Absicht kann man leise beerdigen, ohne dass es wehtut. Ein Termin im Kalender, den man sich selbst nicht mehr canceln darf, kann man nicht.
Donnerstag: Die Entscheidung, die auch seine Söhne treffen
Donnerstag, unser Einzel-Check-in, ein Teilnehmer, 44, zwei Söhne, 10 und 13. Er trägt seit 14 Monaten Rückenschmerzen mit sich rum und wollte samstags mit seinen Jungs trainieren, sobald der Rücken "wieder ganz in Ordnung" ist. 14 Monate ohne einen einzigen gemeinsamen Samstag im Garten oder im Park.
Ich hab ihm eine Zahl vorgerechnet, keine Ermahnung. Sein Älterer ist 13. In drei, vier Jahren will ein Teenager selten noch freiwillig mit dem Vater trainieren gehen. Das Fenster, in dem beide Söhne mitziehen, ist keine zehn Jahre breit, es ist vielleicht noch drei. Warten, bis der Rücken zu 100 Prozent fit ist, heißt: das Fenster verstreicht komplett, während er auf einen Zustand wartet, der sich nie von allein einstellt.
Wir haben es klein gemacht. Kein Training, ein Spaziergang mit ein paar Kniebeugen am Ende, 20 Minuten, Samstagvormittag, Rücken inklusive. Er hat es letzten Samstag gemacht. Sein Jüngerer hat direkt gefragt, ob das jetzt jede Woche so ist. Genau diese Rechnung, was Aufschub eine Familie am Ende kostet, hab ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben, nach einem Anruf mit meinem besten Freund: die Entscheidung für Gesundheit und Söhne. Ein konkretes 90-Tage-Gerüst für genau diese Situation steht in meinem Plan für Väter.
Freitag: Laut ausgesprochen vor der Gruppe
Freitag, unser fester Gruppen-Check-in, acht Männer. Der Teilnehmer vom Donnerstag erzählt der Runde von seinem Samstag-Spaziergang mit den Söhnen, laut, vor allen. Zwei andere sagen direkt, dass sie seit Monaten was Ähnliches vorhaben und es nie ausgesprochen haben.
Das ist der Unterschied zwischen einem Vorsatz und einem Commitment. Ein Vorsatz lebt im Kopf, dort stirbt er auch leise. Ein Commitment, das vor der Gruppe ausgesprochen wird, hat einen Zeugen. Und ein Mann, der weiß, dass am nächsten Freitag jemand nachfragt, macht seinen zweiten Samstag-Spaziergang öfter, als wenn nur er selbst davon wüsste. Das ist Bruderschaft, kein Zufall.
Was dieser Wochenrückblick über Väter, Söhne und Entscheidungen zeigt
Fünf Tage, fünf Männer, ein Muster. Die Laufschuhe, das ruhigere Projekt, das Gefühl der Motivation, der fertig geheilte Rücken, das unausgesprochene Vorhaben, alles unterschiedliche Kostüme für denselben Satz: Ich warte auf einen Moment, der sich richtig anfühlt. Ich hab genau diesen Satz mir selbst mit meinem Sohn seit dem Frühling erzählt.
Bei keinem dieser Männer war der Körper der eigentliche Punkt. Der Körper folgt, sobald gehandelt wird, nicht davor. Der eigentliche Punkt war die Entscheidung, und bei dem Vater mit den zwei Söhnen wird das am deutlichsten: Diese Entscheidung trifft nicht nur er. Seine Söhne treffen sie mit, jeden Samstag, den es gibt oder nicht gibt.
Häufige Fragen
Wann ist der richtige Moment, um mit Training oder einer Gesundheitsentscheidung anzufangen, wenn man Kinder hat? Jetzt, in der kleinsten Version, die diese Woche schon passt. Ich hab dazu ausführlich geschrieben, warum kein Datum besser ist als heute: kein Datum ist besser als jetzt. Das Zeitfenster mit den eigenen Kindern wird nicht größer, während man wartet.
Muss der Körper erst fit sein, bevor man mit den Kindern aktiv wird? Nein. Ein Spaziergang mit ein paar Kniebeugen zählt genauso wie ein Training im Studio. Die Bewegung mit den Söhnen ist der Start, nicht die Belohnung für einen bereits fitten Körper.
Was, wenn die Motivation nach der ersten Woche wieder weg ist? Dann war es nie Motivation, die getragen hat, sondern der feste Termin. Ein Samstagvormittag im Kalender, den man sich selbst nicht mehr canceln darf, hält länger als jedes gute Gefühl vom ersten Tag.
Der Punkt
Diese Woche hat mir wieder gezeigt, wie leicht sich Aufschub als Vernunft tarnt, bei anderen und bei mir selbst mit einem Paar Laufschuhen. Kein perfekter Rücken, kein ruhigerer Job, kein besseres Wetter. Nur die Entscheidung, laut genug und klein genug, dass sie hält, und Söhne, die zusehen, ob sie fällt.
Ich hab genau ein System, mit dem meine Männer essen was sie wollen und trotzdem abnehmen, ohne Verzicht und ohne Kalorien zu zählen. Schreib mir INFO per Nachricht, und ich schick dir die 3 Regeln auf einer Seite.
Denis Dreser
Denis Dreser ist Gründer der Primal Power Academy und Coach für Männer zwischen 30 und 50. Ehemaliger Sport- und Gymnastikrehrer. Themen: Testosteron optimieren, Fett verlieren, Muskeln aufbauen – für Männer mit Job und Familie.