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Männlichkeit & Identität

Um 17 Uhr ist es dunkel. Das ist keine Ausrede, das Training zu canceln

21. Oktober 2026 · 8 min read

Um 17 Uhr ist es dunkel. Das ist keine Ausrede, das Training zu canceln

Vor drei Jahren bin ich im Oktober drei Wochen nicht ins Studio gegangen. Keine Verletzung, keine Überstunden. Es war um 17 Uhr draußen dunkel und kalt, und ich hab mir jeden Abend gesagt: heute nicht, morgen wieder normal. Aus drei Wochen wurden sechs. Im Dezember stand ich wieder bei null und musste die ganze Progression neu aufbauen.

Dunkelheit ist keine Ausrede, das Training zu canceln. Das hab ich damals nicht verstanden, und ich seh das Muster jedes Jahr wieder, bei mir selbst und bei jedem dritten Mann, den ich coache. Die Tage werden kürzer, die Laune sinkt, und das Training ist das Erste, was fällt. Nicht weil die Energie weg ist. Weil das System für die dunkle Jahreszeit fehlt.

Die Dunkelheits-Ausrede: immer das gleiche Muster

Jeden Oktober die gleiche Geschichte. Ein Kunde schreibt mir: "Ich komm grad gar nicht in Gang, draußen ist es schon dunkel wenn ich aus dem Büro komm." Und ich frag immer zurück: Was genau hat sich geändert, außer der Uhrzeit auf der Anzeige?

Meistens nichts. Der Job ist derselbe. Die Beine funktionieren noch. Was sich geändert hat, ist ein Gefühl. Draußen ist schwarz, drinnen ist warm, und die Couch gewinnt gegen die Hantelbank. Das ist kein Charakterfehler. Das ist ein Reiz, auf den dein Kopf jedes Jahr gleich reagiert, wenn du nichts dagegen aufbaust.

Ich hab in den letzten Jahren über 50 Männer durch genau diese Wochen begleitet. Fast alle canceln den ersten Termin aus Dunkelheit. Die, die danach weitermachen, haben ein System. Die, die sechs Wochen aussetzen, hatten keins. Der Unterschied ist nie die Willenskraft gewesen.

Warum die Zeitumstellung dein System testet, nicht deine Motivation

Die Zeitumstellung macht aus deinem Feierabend-Fenster ein Dunkel-Fenster. Um 18 Uhr trainieren hat sich im September nach Feierabend angefühlt. Im November fühlt es sich an wie mitten in der Nacht. Dein Körper merkt diesen Unterschied, auch wenn die Uhr nur eine Stunde verschiebt.

Das ist kein Testosteron-Problem. Das ist ein Reiz-Problem. Weniger Tageslicht heißt, dein Kopf schaltet früher in den Feierabend-Modus. Das ist normal. Die Frage ist nicht, wie du das Gefühl wegbekommst. Die Frage ist, ob dein Trainingsplan dieses Gefühl überlebt, oder ob er beim ersten dunklen Tag kippt.

Ein Plan, der nur bei gutem Licht und guter Laune funktioniert, ist kein Plan. Das ist ein Wunsch. Ich hab meinen Männern seit letztem Jahr einen festen Trainingsplan für die Zeit nach der Zeitumstellung gegeben, und die Abbruchquote im November ist um mehr als die Hälfte gesunken. Nicht weil die Männer motivierter wurden. Weil der Plan die Dunkelheit schon eingepreist hat.

Das 3-Teile-System für die dunkle Jahreszeit

Drei Hebel, keiner davon braucht mehr Willenskraft.

Hebel 1: Die Uhrzeit fest machen, nicht das Gefühl. Trainier nicht "wenn du Zeit und Lust hast". Setz einen festen Slot, 30 Minuten früher als sonst, bevor es komplett dunkel ist. Ein Termin im Kalender wird seltener gecancelt als ein Vorhaben im Kopf.

Hebel 2: Zehn Minuten Licht direkt nach dem Aufstehen. Kein Ratgeber-Zauber, nur Physik: Tageslicht am Morgen, auch durchs Fenster oder fünf Minuten draußen beim Kaffee, hält deinen Rhythmus stabil. Das macht den Unterschied, ob du um 17 Uhr noch Antrieb hast oder schon im Winterschlaf-Modus bist.

Hebel 3: Eine Minimal-Variante, die immer geht. Für die Tage, an denen das Studio zu weit weg ist und draußen schon alles schwarz ist: 20 Minuten zuhause, Kniebeugen, Liegestütz, Klimmzüge am Türreck, fertig. Kein perfektes Training schlägt ein echtes 20-Minuten-Training, das tatsächlich stattfindet. Wer sich noch nie an so einem dunklen Tag aufgerafft hat, findet in meinem Minimal-System gegen den Aufschiebe-Kreislauf die komplette Anleitung dafür.

Diese drei Dinge brauchen zusammen keine 15 Minuten Umstellung. Aber sie entscheiden, ob du im Dezember trainierst oder wieder bei null anfängst.

Was passiert, wenn du es nicht umstellst

Ich hab es selbst erlebt: sechs Wochen Pause heißt nicht sechs Wochen Stillstand. Es heißt Rückschritt. Kraft, die ich mir in vier Monaten aufgebaut hatte, war im Dezember wieder weg. Das Schlimmste war nicht der Muskelverlust. Es war das Gefühl danach, wieder bei Übung eins anzufangen, während andere einfach durchtrainiert haben.

Und der zweite Effekt kommt noch dazu. Wenn du dir einmal erlaubst, Dunkelheit als Grund zu nehmen, wird jeder dunkle Tag ab dann ein gültiger Grund. Nicht weil du schwach bist. Weil dein Kopf sich die Ausnahme merkt und sie beim nächsten Mal wieder zieht. Genau deswegen lohnt sich der feste Slot schon in der ersten dunklen Woche, nicht erst wenn die Motivation wieder von selbst zurückkommt. Die kommt nämlich nicht von selbst zurück. Das System muss sie ersetzen.

Häufige Fragen

Muss ich mein ganzes Training wegen der Dunkelheit umstellen? Nein. Du musst nur den Zeitpunkt fest machen und eine Notfall-Variante haben. Der Trainingsplan selbst bleibt, wie er ist.

Was, wenn ich abends einfach keine Energie mehr habe? Dann trainier morgens oder in der Mittagspause, auch nur 20 Minuten. Die Minimal-Variante ist genau für diesen Fall da. Besser 20 Minuten um 12 Uhr als null Minuten um 18 Uhr.

Wie lange dauert es, bis sich das neue System anfühlt wie Routine? Bei den Männern, die ich begleite, meist vier Wochen. Danach ist der feste Slot kein Kraftakt mehr, sondern einfach der Teil des Tages, an dem trainiert wird, Dunkelheit oder nicht.

Der Punkt

Dunkelheit war bei mir drei Wochen stärker als jeder Vorsatz, bis ich verstanden hab: nicht die dunkle Jahreszeit ist das Problem, sondern ein Plan ohne Puffer dafür. Fester Slot, Licht am Morgen, eine Variante, die immer geht. Das reicht.

Ich hab genau ein System, mit dem meine Männer durch den ganzen Winter trainieren, ohne jeden Abend neu gegen sich kämpfen zu müssen. Schreib mir INFO per Nachricht, und ich schick dir die drei Regeln auf einer Seite.

Denis Dreser

Denis Dreser ist Gründer der Primal Power Academy und Coach für Männer zwischen 30 und 50. Ehemaliger Sport- und Gymnastikrehrer. Themen: Testosteron optimieren, Fett verlieren, Muskeln aufbauen – für Männer mit Job und Familie.

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